Frag Erwachsene nach ihren Weihnachtserinnerungen, und die wenigsten erzählen von einem bestimmten Geschenk. Sie erzählen vom Geruch in Omas Küche, vom Stiefelputzen am Abend vor Nikolaus oder davon, dass es an Heiligabend immer Würstchen mit Kartoffelsalat gab. Solche Dinge waren selten groß geplant. Sie sind einfach jedes Jahr wiedergekommen, bis sie zu dem gehörten, was Weihnachten in dieser Familie ausmacht.
Hier findest du 15 Weihnachtstraditionen mit Kindern, die genau so entstehen können. Es geht dabei nicht um einzelne Bastelnachmittage, sondern um kleine Rituale, die euch über viele Jahre begleiten und mit euren Kindern mitwachsen. Wenn du eher nach Ideen für einzelne Nachmittage im Dezember suchst, findest du sie in meinem Artikel Weihnachten mit Kindern: 25 Ideen für die Adventszeit.
Traditionen für die Adventszeit
1. Der Adventskalender als gemeinsamer Moment am Morgen
Ein Adventskalender wird erst dann zur Tradition, wenn das Öffnen einen festen Platz im Tag hat. Viele Familien machen es zum Frühstück: Alle sitzen am Tisch, ein Kind öffnet das Türchen, und für ein paar Minuten dreht sich alles darum. Der Kalender muss dafür weder teuer noch gekauft sein. Ein Zettelkalender mit kleinen Aufgaben wie „Heute singen wir beim Zähneputzen ein Weihnachtslied“ oder „Heute darfst du das Abendessen aussuchen“ wird oft mehr geliebt als jede Schokolade.
Als Ritual funktioniert er, weil er die Wochen bis Weihnachten greifbar macht und jeden Tag einen kleinen gemeinsamen Anfang schafft. Bei Geschwistern hilft es, die Tage im Wechsel aufzuteilen oder für jedes Kind eine eigene kleine Reihe zu haben.
Für verschiedene Altersgruppen: Kleinkinder freuen sich über das Öffnen an sich, Schulkinder schreiben irgendwann gerne selbst Zettel für die anderen Familienmitglieder.
2. Ein Adventsfrühstück an jedem Sonntag
Unter der Woche ist es morgens meist hektisch. Umso schöner ist es, sich an den vier Adventssonntagen bewusst Zeit für ein langes Frühstück zu nehmen. Eine Kerze mehr auf dem Tisch, vielleicht frische Brötchen oder ein Hefezopf, Musik im Hintergrund und niemand, der auf die Uhr schaut. Mehr braucht es nicht.
Gerade weil es so einfach ist, lässt sich dieses Ritual jedes Jahr wiederholen, egal wie voll der Dezember sonst ist. Du kannst die Kinder abwechselnd bestimmen lassen, was es am jeweiligen Sonntag gibt. Dann freut sich jedes Kind besonders auf „seinen“ Sonntag.
3. Stiefel putzen am Abend vor Nikolaus
Am Abend des 5. Dezember werden die Stiefel geputzt und vor die Tür oder ans Fenster gestellt. Am nächsten Morgen liegen eine Mandarine, ein paar Nüsse oder ein kleiner Schokonikolaus darin. Das ist einer der ältesten Bräuche rund um Weihnachten, und er funktioniert bis heute, weil er so wenig braucht und Kinder trotzdem begeistert. Manche Familien legen zusätzlich einen kurzen Brief vom Nikolaus dazu, in dem er etwas Schönes über das vergangene Jahr schreibt.
Für verschiedene Altersgruppen: Wenn ältere Kinder nicht mehr an den Nikolaus glauben, können sie selbst zum Nikolaus für jüngere Geschwister oder für die Eltern werden. So bleibt das Ritual erhalten, nur die Rollen ändern sich.
4. Ein fester Plätzchenbacktag mit einem Familienrezept
Statt irgendwann zwischendurch Plätzchen zu backen, legt ihr einen festen Tag dafür fest, zum Beispiel den zweiten Adventssamstag. Besonders schön wird es, wenn ein Rezept dabei ist, das schon die Großeltern gebacken haben. Schreibt es gemeinsam auf eine Karte und hebt sie bei der Weihnachtsdeko auf. Ein Rezept reicht völlig, es müssen keine zehn Sorten sein.
Der Backtag bleibt Kindern in Erinnerung, weil er alle Sinne anspricht und jedes Jahr ein bisschen anders und doch gleich ist. Wer keinen Backofen frei hat oder wenig Zeit, kann auch nur Lebkuchen verzieren oder ein einfaches Kühlschrankrezept wie Kokosmakronen oder Schokoladenkugeln machen.
Für verschiedene Altersgruppen: Kleinkinder stechen aus und streuen Zucker, Kindergartenkinder können Teig kneten und verzieren, Schulkinder übernehmen irgendwann ganze Arbeitsschritte selbst.
5. Ein Weihnachtsbuch, das jedes Jahr wiederkommt
Bewahrt eure Weihnachtsbücher bei der Weihnachtsdeko auf und holt sie gemeinsam am ersten Advent hervor. Viele Kinder freuen sich auf das Wiedersehen mit den Geschichten fast so sehr wie auf neue. Ihr könnt auch ein Buch wählen, aus dem ihr jeden Abend im Advent ein Kapitel lest, sodass ihr an Heiligabend genau beim Ende ankommt.
Ein Buch als Tradition funktioniert, weil es den Abend ruhiger macht und Kinder jedes Jahr etwas anderes darin entdecken. Wenn ihr wenig Geld ausgeben möchtet, lohnt sich ein Blick in die Stadtbücherei, die im Advent meist eine große Auswahl an Weihnachtsbüchern hat.
Für verschiedene Altersgruppen: Für Kleinkinder eignen sich Bilderbücher mit wenig Text, für Schulkinder Geschichten in 24 Kapiteln, die über den ganzen Advent reichen.

Passend zu Tradition 5: für Jüngere
Sven Nordqvist: Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch
Der Bilderbuch-Klassiker mit Pettersson und Findus, gebunden, 32 Seiten, für Kinder ab 4 Jahren. Eine Geschichte über Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, die sich gut jedes Jahr wieder vorlesen lässt.
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Passend zu Tradition 5: zum Vorlesen im Advent
Jostein Gaarder: Das Weihnachtsgeheimnis
Ein Weihnachtsroman, dessen Kapitel sich über den Advent verteilt lesen lassen, mit Bildern von Hildegard Müller. Gebundene Ausgabe bei Hanser, 288 Seiten.
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Traditionen rund um Baum und Zuhause
6. Den Baum gemeinsam aussuchen und schmücken
Ob ihr einen Baum beim Händler um die Ecke kauft, ihn selbst schlagt oder jedes Jahr denselben künstlichen Baum aus dem Keller holt: Das gemeinsame Schmücken kann zu einem festen Termin werden. Legt dafür einen bestimmten Tag fest, macht Weihnachtsmusik an und packt die Kisten zusammen aus. Viele Anhänger haben eine eigene Geschichte, und Kinder fragen jedes Jahr wieder danach.
Wenn ihr keinen Baum aufstellen möchtet oder wenig Platz habt, funktioniert das Ritual genauso mit ein paar Tannenzweigen in einer großen Vase oder einem Zweig, der an der Wand hängt. Entscheidend ist der Moment, in dem ihr gemeinsam die Weihnachtszeit in die Wohnung holt.
7. Jedes Jahr ein neuer Anhänger für jedes Kind
Jedes Kind bekommt jedes Jahr einen neuen Christbaumanhänger, den es selbst aussucht oder bastelt. Auf der Rückseite oder an einem kleinen Anhängeschild steht die Jahreszahl. Mit der Zeit entsteht so eine eigene Sammlung, die beim Schmücken jedes Mal kleine Erinnerungen weckt: der Stern aus dem Kindergarten, die Glaskugel vom ersten Weihnachtsmarktbesuch.
Dieses Ritual kostet fast nichts, wenn ihr die Anhänger selbst macht, zum Beispiel aus Salzteig oder Holzscheiben. Viele Familien geben den Kindern ihre Sammlung mit, wenn sie irgendwann ausziehen. Dann hängt am ersten eigenen Baum gleich ein Stück Familiengeschichte.
8. Ein Familienfoto an immer derselben Stelle
Macht jedes Jahr am selben Ort ein gemeinsames Weihnachtsfoto, zum Beispiel vor dem Baum, auf dem Sofa oder vor der Haustür. Es muss nicht perfekt sein, und gerade die verwackelten oder albernen Bilder sind oft die schönsten. Mit einem Handystativ oder dem Selbstauslöser seid ihr alle mit drauf.
Nach ein paar Jahren könnt ihr die Bilder nebeneinanderlegen und sehen, wie die Kinder wachsen und sich die Familie verändert. Ein kleines Album nur mit diesen Fotos wird für viele Kinder später zu einem der liebsten Erinnerungsstücke.
9. Ein Winterdorf, das jedes Jahr wächst
Auf einer Fensterbank oder einem kleinen Regal baut ihr im Advent ein Winterdorf auf: ein paar Häuschen aus Pappe oder Holz, ein paar Bäume, vielleicht etwas Watte als Schnee. Jedes Jahr kommt ein neues Teil dazu, das ein Kind bastelt oder aussucht. So entsteht über die Jahre eine kleine Landschaft, die eure Familie erzählt.
Für verschiedene Altersgruppen: Kleine Kinder dürfen die Figuren umstellen und mit dem Dorf spielen, ältere Kinder bauen gerne eigene Häuser aus Milchkartons oder gestalten ganze Szenen.
Erlebnisse, die jedes Jahr wiederkommen
10. Ein Ausflug, auf den sich alle freuen
Für viele Familien ist das der Besuch auf einem bestimmten Weihnachtsmarkt, mit Kinderpunsch an demselben Stand und einer Runde auf demselben Karussell. Wenn Weihnachtsmärkte für euch zu voll, zu teuer oder zu weit weg sind, kann auch etwas anderes zur Tradition werden: ein Spaziergang durch die Straße mit der schönsten Weihnachtsbeleuchtung, ein Besuch im Tierpark im Winter oder eine Fahrt mit der Straßenbahn durch die beleuchtete Stadt.
Ein solcher Ausflug funktioniert als Ritual, weil die Kinder genau wissen, was sie erwartet, und sich trotzdem jedes Jahr darauf freuen. Wichtig ist, dass ihr euch nicht zu viel vornehmt. Ein Ziel und eine kleine Leckerei reichen.
11. Etwas für andere tun
Eine Tradition kann auch darin bestehen, jedes Jahr gemeinsam an andere zu denken. Viele Städte und Organisationen haben im Advent Wunschbaum-Aktionen, bei denen ihr den Wunsch eines Kindes erfüllt, oder sammeln Weihnachtspäckchen. Wenn das Budget knapp ist, geht das auch ohne Geld: Ihr könnt jedes Jahr Kekse für die Nachbarin backen, die alleine lebt, oder gemeinsam Karten für ein Seniorenheim gestalten.
Kinder lernen dabei ganz nebenbei, dass Weihnachten auch mit Teilen und Aufmerksamkeit zu tun hat. Lass sie mitentscheiden, wem ihr in diesem Jahr eine Freude macht.
12. Ein besonderer Abend vor Heiligabend
Der 23. Dezember ist oft der Tag, an dem die Vorfreude kaum noch auszuhalten ist. Macht daraus euren eigenen kleinen Feiertag: Ihr packt gemeinsam die letzten Geschenke ein, esst etwas Einfaches wie Pizza oder Pfannkuchen, und danach gibt es eine Weihnachtsgeschichte im Schlafanzug auf dem Sofa. Manche Familien schauen an diesem Abend jedes Jahr denselben Weihnachtsfilm.
Gerade für Kinder, deren Heiligabend voller Besuche und Fahrten ist, kann dieser ruhige Abend vorher zu einem der schönsten Momente der ganzen Weihnachtszeit werden.
Rituale für Heiligabend und die Feiertage
13. Ein festes Heiligabend-Essen, das niemanden stresst
In vielen Familien gibt es an Heiligabend jedes Jahr dasselbe Essen, und das muss nicht aufwendig sein. Würstchen mit Kartoffelsalat ist nicht ohne Grund so verbreitet: Es lässt sich vorbereiten und schmeckt auch Kindern. Genauso gut kann euer Essen Raclette, eine bestimmte Suppe oder das Lieblingsgericht der Kinder sein.
Wichtig ist, dass alle sich darauf freuen und niemand den halben Tag in der Küche steht. Kinder können mithelfen, den Tisch zu decken, Namenskärtchen zu malen oder den Nachtisch vorzubereiten. So wird das Essen zu etwas, das ihr gemeinsam macht.
14. Ein kleiner Moment vor der Bescherung
Viele Familien haben einen festen Ablauf, bevor die Geschenke ausgepackt werden. In manchen Familien gehen alle gemeinsam spazieren, während angeblich das Christkind kommt. Andere lesen die Weihnachtsgeschichte vor, singen ein Lied oder zünden gemeinsam eine Kerze an und erzählen reihum, worauf sie sich in diesem Jahr gefreut haben. Ein Glöckchen, das zur Bescherung läutet, ist für viele Kinder der aufregendste Klang des ganzen Jahres.
Dieser Moment hilft, kurz anzukommen, bevor es laut und wild wird. Er funktioniert in jeder Familienform und unabhängig davon, ob ihr religiös feiert oder nicht.
15. Ein Erinnerungsglas für das nächste Jahr
Stellt im Dezember ein großes Glas auf und lasst jedes Familienmitglied auf einen Zettel schreiben oder malen, was in diesem Jahr besonders schön war. An Heiligabend oder zwischen den Jahren lest ihr die Zettel vom Vorjahr vor und legt die neuen dazu. Kinder staunen oft, woran sie sich schon gar nicht mehr erinnert hatten.
Für verschiedene Altersgruppen: Kleine Kinder malen ein Bild, und du schreibst ein paar Worte dazu. Ältere Kinder schreiben selbst und freuen sich darauf, ihre Zettel aus den Vorjahren wiederzulesen.
Familientraditionen an Weihnachten entwickeln, ohne dass sie zur Pflicht werden
Die schönsten Traditionen entstehen selten aus einer langen Liste. Meist ist es eine Sache, die ihr einmal gemacht habt und die allen so gefallen hat, dass jemand im nächsten Jahr fragt: „Machen wir das wieder?“ Genau darauf kannst du achten. Probier in diesem Jahr zwei oder drei Ideen aus und schau, welche davon sich richtig anfühlen. Der Rest darf wieder gehen.
Lass deine Kinder mitentscheiden. Frag sie im Januar, was ihnen an Weihnachten am besten gefallen hat. Die Antworten überraschen oft, weil Kinder sich an ganz andere Dinge erinnern als Erwachsene. Viele schöne Rituale kommen außerdem ganz ohne Bildschirm aus und lassen sich auch an normalen Wintertagen fortsetzen. Noch mehr Anregungen dafür findest du in meinen 50 bildschirmfreien Aktivitäten für Kinder.
Traditionen dürfen sich auch verändern. Wenn Kinder größer werden, passen manche Rituale nicht mehr, und neue kommen dazu. In getrennten Familien feiern Kinder oft an zwei Orten oder an unterschiedlichen Tagen. Dann hilft es, Traditionen an einen Zeitraum statt an ein Datum zu binden: Der Plätzchenbacktag ist dann einfach der erste Advent, an dem ihr zusammen seid, und das Familienfoto entsteht an dem Tag, an dem ihr gemeinsam feiert.
Und wenn eine Tradition mehr Druck als Freude macht, darfst du sie loslassen. Ein Ritual, das alle anstrengt, ist keins, an das sich deine Kinder gerne erinnern. Wenn dir die Weihnachtszeit insgesamt schnell zu voll wird, findest du in meinem Artikel Weihnachtsstress vermeiden ein paar Gedanken dazu, wie es ruhiger werden kann.
Weniger Weihnachtsstress, mehr gemeinsame Zeit
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Kostenlosen Weihnachtsplaner sichernHäufige Fragen zu Weihnachtstraditionen mit Kindern
Welche Weihnachtstraditionen sind für Familien mit Kindern besonders schön?
Besonders gut funktionieren Rituale, die einfach sind und jedes Jahr wiederkehren: das gemeinsame Öffnen des Adventskalenders, Stiefelputzen vor Nikolaus, ein fester Plätzchenbacktag, das gemeinsame Baumschmücken oder ein Familienfoto an immer derselben Stelle. Wichtiger als die Idee selbst ist, dass sie zu eurer Familie passt und allen Freude macht.
Ab welchem Alter lohnen sich Familientraditionen an Weihnachten?
Eigentlich von Anfang an. Schon Kleinkinder erkennen wiederkehrende Abläufe und freuen sich darauf, auch wenn sie sich später nicht an jedes Jahr erinnern. Bewusst erleben und einfordern werden viele Kinder ihre Traditionen etwa ab dem Kindergartenalter. Die meisten Rituale lassen sich gut mitwachsen lassen, indem ältere Kinder mehr Aufgaben übernehmen.
Wie entstehen neue Weihnachtstraditionen in der Familie?
Meist ganz von selbst. Probiert etwas aus, und wenn es allen gefällt, wiederholt es im nächsten Jahr. Nach zwei oder drei Jahren gehört es dazu. Hilfreich ist, ein Ritual an einen festen Zeitpunkt zu knüpfen, etwa an den ersten Advent oder den 23. Dezember, damit es nicht im Alltag untergeht.
Fazit: Klein anfangen und wiederholen
Weihnachtstraditionen mit Kindern müssen weder aufwendig noch teuer sein. Ein Stiefel vor der Tür, ein Rezept von Oma, ein Foto an derselben Stelle: Gerade die einfachen Dinge bleiben, weil sie jedes Jahr wiederkommen. Such dir zwei oder drei Rituale aus, die zu euch passen, und gib ihnen ein paar Jahre Zeit. Welche davon wirklich zu euren werden, entscheiden am Ende oft die Kinder.



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