Tipps für eine entspannte Nachmittagsroutine für Kinder

Tipps für eine entspannte Nachmittagsroutine für Kinder

Kaum ist die Schultasche abgestellt, geht es manchmal schon weiter: Hausaufgaben, Essen, Termine, vielleicht noch Lernen oder Training. Dabei brauchen viele Kinder erst einmal Zeit, um nach der Schule runterzukommen. Schließlich haben sie bereits viele Stunden hinter sich, in denen sie aufmerksam sein, Regeln einhalten, sich konzentrieren, warten, zuhören und mit anderen zurechtkommen mussten.

Gerade nach der Schule merkt man vielen Kindern an, wie anstrengend dieser Vormittag eigentlich war. Manche kommen nach Hause und erzählen ohne Punkt und Komma. Andere sind gereizt, streiten wegen Kleinigkeiten oder wollen erst einmal überhaupt nichts hören. Wieder andere verschwinden am liebsten in ihrem Zimmer oder würden den restlichen Nachmittag auf dem Sofa verbringen. Aus pädagogischer Sicht finde ich deshalb einen Gedanken besonders wichtig: 
Nicht jedes Verhalten nach der Schule muss sofort korrigiert werden. Manchmal braucht ein Kind einfach einen Übergang.

Zwischen Schule und Zuhause liegen schließlich nicht nur ein paar Minuten Heimweg. Das Kind wechselt von einem stark strukturierten Umfeld zurück in seinen persönlichen Rückzugsraum. Eine entspannte Nachmittagsroutine kann dabei helfen, diesen Wechsel leichter zu machen – ohne daraus gleich den nächsten Stundenplan zu machen.

Warum Kinder nach der Schule oft erst einmal „durch“ sind

Ein Schultag verlangt Kindern ziemlich viel ab. Sie müssen sich über längere Zeit konzentrieren, Aufgaben erledigen, mit Frust umgehen, soziale Situationen bewältigen und sich an Abläufe halten, die sie nur begrenzt selbst bestimmen können. Das bedeutet nicht, dass Schule grundsätzlich belastend sein muss. Aber selbst ein schöner Schultag kostet Energie.

Zu Hause fällt ein Teil dieser Anspannung weg. Das ist einer der Gründe, warum Eltern manchmal ein völlig anderes Kind erleben als Lehrkräfte. Während in der Schule noch alles funktioniert hat, reicht zu Hause plötzlich eine falsch geschnittene Banane für den Weltuntergang. Das kann für Eltern ziemlich anstrengend sein. Trotzdem hilft es, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern sich zu fragen: 
Was braucht mein Kind gerade?
Hunger? Ruhe? Bewegung? Nähe? Abstand? Jemanden, der zuhört? Oder vielleicht einfach zwanzig Minuten, in denen überhaupt nichts von ihm erwartet wird? Genau hier kann eine Nachmittagsroutine helfen.

Eine Nachmittagsroutine ist kein Stundenplan

Bei dem Wort „Routine“ denken wir schnell an feste Uhrzeiten und einen perfekt organisierten Ablauf: 13:30 Uhr Mittagessen, 14:00 Uhr Pause, 14:30 Uhr Hausaufgaben.

Für manche Familien funktioniert das wunderbar. Für andere überhaupt nicht.
Kinder unterscheiden sich genauso wie Erwachsene darin, wie sie nach einem anstrengenden Tag wieder Energie bekommen. Ein Kind möchte sofort erzählen. Ein anderes braucht Ruhe. Manche Kinder müssen sich bewegen, bevor sie wieder sitzen können. Andere möchten erst einmal lesen, malen oder auf dem Sofa liegen.

Eine gute Nachmittagsroutine gibt deshalb Orientierung statt Kontrolle.
Bestimmte Abläufe wiederholen sich und werden dadurch vorhersehbar. Gleichzeitig bleibt genug Flexibilität für unterschiedliche Tage, Stimmungen und Bedürfnisse.

Was Kindern hilft, nach der Schule runterzukommen

Es gibt nicht die eine perfekte Reihenfolge für jede Familie. Die folgenden Schritte können aber ein guter Ausgangspunkt sein, aus dem ihr eure eigene Routine entwickelt.

1. Erst einmal zu Hause ankommen

Bevor die erste Frage nach den Hausaufgaben kommt, darf das Kind erst einmal ankommen.

Jacke ausziehen, Schultasche abstellen, Schuhe aus – und kurz merken: Der Schultag ist vorbei.

Dieser Übergang kann ganz unspektakulär sein. Es braucht dafür kein besonderes Ritual. Gerade kleine wiederkehrende Dinge können aber angenehm sein: gemeinsam etwas trinken, kurz kuscheln, Musik einschalten oder einfach fünf Minuten nichts verlangen.
Auch die klassische Frage „Wie war die Schule?“ muss nicht direkt an der Haustür kommen. Manche Kinder erzählen sofort. Andere brauchen Zeit und beginnen erst später ganz von selbst von ihrem Tag zu berichten.

2. Hunger und Durst nicht unterschätzen

Ein langer Schulvormittag macht hungrig. Und Hunger macht bekanntlich nicht nur Kinder selten ausgeglichener.
Je nachdem, wann das Kind nach Hause kommt, kann jetzt ein gemeinsames Mittagessen oder ein kleiner Snack sinnvoll sein. Auch ans Trinken sollte gedacht werden – gerade Kinder vergessen das während eines turbulenten Schultages leicht.

Dieser Moment kann gleichzeitig eine schöne Gelegenheit sein, miteinander ins Gespräch zu kommen. Aber auch hier gilt: Ein gemeinsames Essen muss kein tägliches Interview über den Schultag werden. Manchmal reicht es einfach, zusammen am Tisch zu sitzen.

3. Eine echte Pause einplanen

Nicht jede freie Minute muss sinnvoll genutzt werden.

Das klingt selbstverständlich, geht im Familienalltag aber schnell verloren. Zwischen Schule, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten bleibt manchmal kaum ein Moment übrig, in dem ein Kind einfach nur sein darf.

Eine Pause nach der Schule kann deshalb sehr wertvoll sein.

Wie diese aussieht, hängt vom Kind ab: lesen, Hörspiel hören, malen, mit Lego bauen, im Zimmer liegen, kuscheln oder einfach ein bisschen vor sich hin träumen.

Die Pause muss auch kein pädagogisch wertvolles Programm enthalten. Ihr Zweck ist gerade, dass für einen Moment nichts erledigt werden muss.

Kostenlos für euch: Eine entspannte Nachmittagsroutine

Wenn ihr euren Nachmittag etwas strukturieren möchtet, habe ich passend zu diesem Artikel eine kleine Vorlage erstellt.
Mit „Unsere entspannte Nachmittagsroutine“ könnt ihr gemeinsam überlegen, welche Reihenfolge zu eurem Kind und eurem Familienalltag passt. Die Vorlage enthält eine einfache Routine, Platz für eure eigene Version und eine kleine Wochenübersicht.

Tipp: Füllt die Vorlage am besten gemeinsam mit eurem Kind aus. Eine Routine wird viel eher angenommen, wenn Kinder nicht nur gesagt bekommen, wie ihr Nachmittag ab jetzt aussehen soll, sondern selbst mitentscheiden dürfen.

4. Bewegung oder Ruhe? Das Kind beobachten

Ein häufiger Fehler bei Routinen ist die Annahme, dass alle Kinder dasselbe brauchen.
Nach mehreren Stunden Sitzen möchten manche Kinder unbedingt raus. Rennen, Fahrrad fahren, Fußball spielen, auf den Spielplatz gehen oder einfach eine Runde um den Block können helfen, überschüssige Energie loszuwerden.
Andere Kinder sind nach der Schule dagegen reizüberflutet und brauchen genau das Gegenteil.
Deshalb lohnt sich Beobachten mehr als das Befolgen einer festen Empfehlung.
Eine einfache Frage kann dabei erstaunlich hilfreich sein:

„Brauchst du gerade eher Ruhe oder möchtest du dich bewegen?“
Kleinere Kinder können das vielleicht noch nicht immer benennen. Mit der Zeit erkennen Eltern aber häufig bestimmte Muster.

5. Wann sind Hausaufgaben sinnvoll?

Die Frage nach dem perfekten Zeitpunkt für Hausaufgaben lässt sich nicht pauschal beantworten. Direkt nach der Schule loszulegen kann bei manchen Kindern gut funktionieren. Sie sind noch im „Schulmodus“ und möchten ihre Aufgaben erledigen, bevor der freie Nachmittag beginnt. Für andere Kinder ist genau das zu viel.

Wenn ein Kind hungrig, müde oder völlig aufgedreht nach Hause kommt, werden aus zehn Minuten Hausaufgaben schnell vierzig Minuten Frust. Dann kann eine Pause vorher deutlich sinnvoller sein.

Hilfreicher als eine starre Uhrzeit ist deshalb ein möglichst verlässlicher Rahmen. Das Kind weiß ungefähr, wann Hausaufgaben bei euch normalerweise stattfinden, ohne dass jeder Nachmittag minutengenau gleich ablaufen muss.
Auch der Arbeitsplatz spielt eine Rolle. Manche Kinder brauchen absolute Ruhe. Andere arbeiten lieber am Esstisch, während jemand in der Nähe ist. Beobachtet, unter welchen Bedingungen euer Kind konzentriert arbeiten kann – und versucht, genau diese Bedingungen häufiger herzustellen.

6. Nach den Pflichten darf der Nachmittag wieder frei werden

Wenn Hausaufgaben und notwendige Aufgaben erledigt sind, darf der Rest des Nachmittags auch wirklich Freizeit sein. Kinder brauchen unverplante Zeit. Nicht nur, weil Erholung wichtig ist, sondern auch, weil im freien Spiel Dinge entstehen, die Erwachsene gar nicht planen können: eigene Ideen, Kreativität, Langeweile, Bewegung, Rollenspiele und manchmal einfach herrliches Nichtstun.

Natürlich gehören Hobbys, Sportvereine und Verabredungen ebenfalls zu einem schönen Kinderalltag. Trotzdem muss nicht jeder freie Nachmittag gefüllt werden. Ein leerer Nachmittag im Kalender ist nicht automatisch ein verlorener Nachmittag.

Wie könnte eine Nachmittagsroutine konkret aussehen?

Eine mögliche Reihenfolge könnte beispielsweise so aussehen:

Nach Hause kommen → Tasche abstellen und ankommen → essen und trinken → Pause → Bewegung oder ruhige Beschäftigung → Hausaufgaben → freie Zeit

Bei euch kann die Reihenfolge ganz anders aussehen.
Vielleicht erledigt euer Kind die Hausaufgaben lieber sofort. Vielleicht gibt es an zwei Tagen pro Woche Training. Vielleicht kommt ein Geschwisterkind später nach Hause oder ihr esst erst am Abend gemeinsam.
Entscheidend ist nicht, dass eure Routine genauso aussieht wie irgendeine Vorlage aus dem Internet.
Sie muss zu eurem echten Familienalltag passen.

Was tun, wenn der Nachmittag trotzdem regelmäßig eskaliert?

Auch die beste Routine verhindert nicht jeden schlechten Nachmittag. Manchmal ist ein Kind schlicht müde. Manchmal war in der Schule etwas los. Manchmal gibt es Streit mit Freunden, eine schwierige Aufgabe, zu wenig Schlaf oder einfach einen schlechten Tag. Wenn Nachmittage häufig schwierig sind, kann es helfen, ein paar Tage bewusst zu beobachten:

Wann kippt die Stimmung meistens? Kommt das Kind sehr hungrig nach Hause? Sind bestimmte Wochentage schwieriger? Ist der Nachmittag sehr voll? Beginnen Konflikte häufig bei den Hausaufgaben? Braucht das Kind mehr Zeit allein oder vielleicht gerade mehr Nähe?

Nicht jede Schwierigkeit braucht sofort eine große Lösung. Manchmal zeigt sich durch genaues Beobachten schon eine kleine Stellschraube. Vielleicht braucht es einen Snack früher. Zehn Minuten mehr Pause. Weniger Termine an einem bestimmten Wochentag. Einen anderen Hausaufgabenplatz. Oder schlicht die Erlaubnis, dass nicht jeder Nachmittag gut laufen muss.

Routinen dürfen sich verändern

Was in der ersten Klasse wunderbar funktioniert, kann ein Jahr später völlig unpraktisch sein. Auch innerhalb eines Schuljahres verändern sich Bedürfnisse. Stundenpläne wechseln, Hobbys kommen dazu, Hausaufgaben werden umfangreicher und Kinder werden selbstständiger. Deshalb lohnt es sich, Routinen gelegentlich gemeinsam anzuschauen.

Was funktioniert noch? Was nervt inzwischen? Was kann das Kind bereits selbst übernehmen? Was brauchen wir überhaupt nicht mehr?
Eine gute Routine wächst mit der Familie mit.

Mehr Struktur für euren Schulalltag

Wenn euch die kostenlose Nachmittagsroutine gefallen hat oder nicht genug ist und ihr euch auch für morgens, abends und die Organisation der Schulwoche ein bisschen mehr Struktur wünscht, habe ich dafür das Printable Bundle „Entspannt durch den Schulalltag“ erstellt.

Darin findet ihr auf 22 Seiten unter anderem eine Morgen-, Nachmittags- und Abendroutine, Wochenübersichten, einen Stundenplan, Hausaufgaben- und Schulsachen-Checklisten, einen Schulranzen-Check, eine Vorbereitung für den nächsten Schultag, kleine Routinekarten zum Ausschneiden und verschiedene Blanko-Vorlagen, die ihr an euren Familienalltag anpassen könnt.

Entspannt durch den Schulalltag Printable Bundle für Kinder und Eltern
PRINTABLE BUNDLE · 22 SEITEN

Entspannt durch
den Schulalltag

Routinen, Checklisten und Wochenübersichten für einen entspannteren Familien- und Schulalltag.

Mit Morgen-, Nachmittags- und Abendroutine, Stundenplan, Hausaufgaben- und Schulsachen-Checklisten, Routinekarten und anpassbaren Blanko-Vorlagen.

Printable Bundle entdecken

Digitales PDF · 22 Seiten · Sofort verfügbar

Die Vorlagen sollen euch nicht dabei helfen, jeden Tag perfekt durchzuplanen. Sie sollen vor allem eines: Dinge, an die sonst ständig jemand denken muss, ein bisschen sichtbarer und einfacher machen.

Zum Schluss

Ein entspannter Nachmittag beginnt nicht unbedingt mit der perfekten Routine.

Manchmal beginnt er einfach damit, einem Kind nach einem langen Schultag ein bisschen Zeit zu geben.

Zeit zum Ankommen. Zeit zum Essen. Zeit zum Erzählen oder Nicht-Erzählen. Zeit zum Bewegen, Ausruhen und irgendwann auch für die Dinge, die noch erledigt werden müssen.

Routinen können dabei Halt geben. Aber sie dürfen flexibel bleiben.

Denn am Ende soll der Nachmittag nicht noch ein weiterer Teil des Tages werden, den Kinder „richtig“ machen müssen.

Er darf sich auch einfach ein bisschen nach Zuhause anfühlen.

Wie sieht euer Nachmittag nach der Schule aus?

Jede Familie findet mit der Zeit ihren eigenen Rhythmus – und genau deshalb würde mich interessieren, wie es bei euch aussieht. Was hilft eurem Kind nach der Schule beim Runterkommen? Gibt es eine kleine Routine, die sich bei euch besonders bewährt hat? 
Hinterlasst gerne einen Kommentar unter diesem Artikel und teilt eure Erfahrungen.
Wenn ihr außerdem keine neuen Artikel, Ideen und kostenlosen Vorlagen verpassen möchtet, könnt ihr euch für meinen Newsletter anmelden. So bekommt ihr neue Inhalte von eigentlichnoch.de ganz unkompliziert direkt in euer Postfach.

BookBeat – 60 Tage kostenlos Hörbücher testen
Werbung/Affiliate-Link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Es sind keine Kommentare vorhanden.